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Unvermutetes Sparpotenzial

Jedes dritte kleine und mittlere Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor sieht keine Möglichkeit, den Energieverbrauch zu reduzieren. Experten hingegen schätzen das Sparpotenzial für KMU auf bis zu 20 Prozent. Es kann sogar deutlich höher liegen, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Die 1979 im münsterländischen Ahaus als Einzelfirma gegründete Ewald Schaumstoffe ist eine Personengesellschaft, deren Führung in den Händen der Familienmitglieder liegt. Die Gruppe der Mitarbeiter ist klein aber motiviert. Für Kunden aus der Industrie, dem Handwerk und dem Handel im gesamten Bundesgebiet und zunehmend auch im Ausland verarbeiten die Beschäftigten Schaumstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften. Sie schneiden, fräsen, stanzen, kleben und nähen beispielsweise Schwämme, Dichtungen, Polsterteile, Verpackungen, Kinderspielzeug und Elemente für den medizinischen Bereich.

Mit 64 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr erschien den Eigentümern der Gesamtenergiebedarf des 2002 errichteten, firmeneigenen Gebäudes mit einer Nutzfläche von rund 1.200 Quadratmetern zu hoch. So entschloss sich die Geschäftsführung, die Energiekosten in Verwaltung, Lagerung und Produktion deutlich zu senken – und investierte 6.200 Euro in entsprechende Optimierungsmaßnahmen.

Mit beachtlichen Ergebnissen: Durch den Einsatz von Steuer- und Regelungstechnik in den Bereichen Heizung, Warmwasser, Beleuchtung und Lüftung sowie durch die Beseitigung von Undichtigkeiten in der Gebäudehülle konnte der Gesamtendenergiebedarf des Gebäudes um gut ein Drittel auf 42 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr reduziert werden. Konkret bedeutet dies jährlich rund 1.400 Kubikmeter weniger Erdgas- (minus 33 Prozent) und 15.000 Kilowattstunden weniger Stromverbrauch (minus 39 Prozent). Da sich die dadurch jährlich eingesparten Energiekosten auf etwa 3.400 Euro belaufen, amortisiert sich die investierte Summe rein rechnerisch in weniger als zwei Jahren.

Tatsächlich jedoch wesentlich schneller. Denn die Förderbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat Ewald Schaumstoffe im vergangenen November in Berlin während der VDI-Fachtagung "Energieeffizienz: Chancen für die Zukunft" als Auszeichnung für den dritten Platz im Rahmen des KfW-Energieeffizienzpreises 2006 mit 2.000 Euro belohnt.

Nach Ansicht der Jury ist dieses Energiespar-Projekt ein "sehr gutes Beispiel dafür, dass nennenswerte Energieeinsparungen am betrieblichen Gebäudebestand oftmals schon mit Hilfe einfachster technischer Lösungen, mit geringem finanziellen Aufwand und mit sehr hohen Rentabilitäten erschlossen werden können. Außerdem demonstriert dieses Projekt vorbildlich, dass auch bei relativ neuen Gebäuden mit gutem energetischen Standard oftmals noch große Energieeinsparpotenziale identifiziert werden können." Darüber hinaus hob die Jury positiv hervor, dass die Mitarbeiter der Firma in Workshops "für ein energiesparendes Betriebsverhalten sensibilisiert" worden seien.

Der von der KfW Förderbank zum dritten Mal ausgeschriebene Wettbewerb stand im vergangenen Jahr unter dem Motto "Energetische Modernisierung von gewerblich genutzten Gebäuden". Durch die Prämierung erfolgreicher Praxisbeispiele sollen im Bereich der energetischen Sanierung auch andere Unternehmen "angeregt werden, betriebliche Energieeinsparpotenziale im Gebäudebestand zu identifizieren und umzusetzen", so Detlef Leinberger, Vorstandsmitglied der KfW Bankengruppe.

Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis erhielt die Procter & Gamble Manufacturing in Crailsheim in Kooperation mit der Savemaxx GmbH. Der betriebliche Gebäudebestand der Procter & Gamble war in allen relevanten Bereichen systematisch nach Energieeffizienzmöglichkeiten durchleuchtet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden. Unter anderem durch die Wärmedämmung der Dächer der Produktionshallen sowie durch die Modernisierung der Heizung, der Klima- und der Lüftungsanlagen. Die Einführung eines strikten Energie-Monitorings ermöglichte die laufende Erfassung, Kontrolle und Optimierung der wesentlichen Energieverbraucher. Der spezifische Energieverbrauch konnte durch die Maßnahmen um rund ein Viertel gesenkt werden.

Mit dem zweiten Preis in Höhe von 3.000 Euro würdigte die Jury das Ebök Ingenieurbüro für Energieberatung, Haustechnik und ökologische Konzepte in Tübingen. Ebök hatte ein altes Kasernengebäude aus den 1950er Jahren erworben und für die eigene Büronutzung auf Passivhausstandard gebracht (der Primärenergiebedarf entspricht nur 15 Prozent eines gleichwertigen Bürogebäudes aus dem Bestand). Dazu wurden Sanierungsmaßnahmen im Bereich Heizung, Warmwasser, Raumklima, Beleuchtung und Lüftung realisiert, wobei zusätzlich Auflagen des Denkmalschutzes zu beachten waren.

Potenzial unterschätzt

Rund 39 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen unterschätzen dagegen die Möglichkeiten der Energieeinsparung. Sie beziffern ihr Energiesparpotenzial auf weniger als zehn Prozent. Experten hingegen beziffern das Sparpotenzial bei KMU auf bis zu 20 Prozent. Etwa 34 Prozent der Unternehmen sehen überhaupt kein Einsparpotenzial. Und obwohl knapp 60 Prozent der mehr als 4.000 befragten Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor dem Thema Energieeffizienz Bedeutung beimessen, haben zwischen 2002 und 2005 nur 29 Prozent konkrete Maßnahmen umgesetzt. Die "Hemmnisse und Erfolgsfaktoren von Energieeffizienz in Unternehmen" hat die KfW in Form eines Diagrammes zusammengefasst:


Quelle: Förderbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Den Angaben zufolge stehen insbesondere finanzielle Restriktionen und Informationsdefizite einer umfangreichen Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen entgegen. Häufig ist nicht das entsprechende Kapital vorhanden, um entsprechend zu investieren – was vor allem kleine Unternehmen betrifft. Zudem stehen Investitionen zur Energieeinsparung oft in Konkurrenz zu anderen notwendigen Investitionen, die das eigentliche Kerngeschäft der Unternehmen betreffen und damit im Hauptinteresse der Unternehmen liegen. Dazu zählen beispielsweise die Steigerung der Produktion, die Erhöhung des Marktanteils und die Verbesserung der Produktqualität.


Quelle: Förderbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Unter Berufung auf diese Studie berichtet das Internetportal "Mittelstand direkt" ( www.mittelstanddirekt.de), dass angesichts steigender Energiepreise und der großen Abhängigkeit von Energieimporten die effiziente Energienutzung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft immer wichtiger wird: Sie biete für deutsche Unternehmen die Chance, "Innovationen bei energieeffizienten Produkten und Dienstleistungen auszulösen" und damit die "Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten zu stärken" sowie "neue Zukunftsmärkte zu erschließen".

Derweil ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) überzeugt: "Umwelt und Unternehmen finden zusammen. Forschungsergebnisse lassen sich in marktfähige Produkte umsetzen und helfen, die Umweltbelastung zu reduzieren." Als Beleg führt es die Fachtagung "Innovation als Chance für nachhaltiges Wirtschaften" an, die im vergangenen Oktober Beispiele aus Querschnittsbereichen und branchenübergreifenden Schlüsselfeldern präsentierte.

So zeigt beispielsweise ein kleines, vom BMBF gefördertes Forschungsprojekt, wie sich Wasser sparen lässt. Der Keramikhersteller Villeroy & Boch kann jetzt sowohl benutztes Wasser aufbereitet wiederverwenden als auch auf eine deutlich reduzierte Wasserrechnung hoffen. Allein schon die Anstrengungen, Wasser zu sparen, hätten "zur Überraschung der Projektverantwortlichen eine deutliche Verminderung an Wasserentnahme erzielt und Kosten drastisch reduziert".

Ein weiteres der vorgestellten Beispiele: Ein Zwickauer Unternehmen verwertet alte Autos und Elektronikbauteile wieder. Die Erlos GmbH ist aus einem Forschungsprojekt des BMBF hervorgegangen und hat im vergangenen Jahr eine der weltweit ersten Anlagen in Betrieb genommen, die automatisch Kunststoffe aus alten Fahrzeugen sortieren kann. Nun soll mit Hilfe eines weiteren Forschungsprojekts noch das seit wenigen Monaten vorgeschriebene Recycling von Elektronikschrott aus Autos hinzukommen. Elf Arbeitsplätze sind daraus bereits entstanden.

Kooperationsprojekte von Wissenschaft und Wirtschaft wie diese fördert das Ministerium mit seinem Programm "Innovationen als Schlüssel für Nachhaltigkeit". Es hat zum Ziel, mit insgesamt 90 Millionen Euro Vorhaben bis zum Jahr 2009 zu unterstützen, die quer über mehrere Branchen verteilt daran arbeiten, Umwelt und Ressourcen zu schonen.

Staatliche Förderung

Einen Einstieg ermöglicht ein online verfügbarer Energie-Check ( www.internet-energie-check.de): "Von B wie Bank bis Z wie Zahnlabor – der kostenlose Internet-Check der Energieagentur NRW ermittelt betriebliche Sparpotenziale für kleine und mittlere Unternehmen", so das nordrhein-westfälische Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie.

Der Check ist in zwei Stufen angelegt: Mit einigen Grunddaten aus seiner jährlichen Energierechnung kann der Unternehmer zunächst in wenigen Minuten prüfen, wie viel Energie und Kosten er im Vergleich zum Branchendurchschnitt sparen kann – oder ob er bereits besser aufgestellt ist als seine Wettbewerber.

Wenn er anschließend genauer wissen möchte, wie er in seinem Betrieb Energiekosten sparen kann, steht ihm der weiterführende Detail-Check zur Verfügung. Danach erhält der Nutzer eine Auswertung, die seine mögliche Energie- und Energiekosteneinsparung für jeden einzelnen Bereich ausweist. Ob Heizkessel, Heizungspumpe oder Wärmedämmung, Warmwasserbereitung, Rohrleitungen, Beleuchtung oder Bürogeräte – der Detail-Check berücksichtigt alle energierelevanten Bereiche im Betrieb. Je nach Branchenzugehörigkeit erhält der Nutzer eine spezifische Zusammenstellung mehrerer Checklisten, die auch ausgedruckt und offline ausgefüllt werden können.

"Wenn alle erforderlichen Eingabedaten vorliegen, benötigt der Nutzer für den Detail-Check maximal 30 Minuten", schätzt der Leiter der Energieagentur NRW, Norbert Hüttenhölscher. Hintergrundinformationen und Links zu jedem Anwendungsbereich ergänzen das Informationsangebot.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt", Autor: Frank Hartmann

 

 

 



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