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Unterschätztes Risiko

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 07.11.2011


Wie sich Mittelständler gegen schwankende Währungs-
kurse absichern können.

Weltmarktführer in der eigenen Produktnische - nirgends gibt es so viele hoch spezialisierte Champions wie im deutschen Mittelstand. Globalisierung ist für diese Unternehmen schon lange kein Diskussionsthema mehr, sondern alltäglich gelebte Realität: Sie vertreiben ihre Produkte nicht nur rund um den Globus, sie beziehen häufig auch Rohstoffe und Vorprodukte von den Weltmärkten. Dadurch sind sie gleich doppelt von Währungskursrisiken betroffen: Ein starker Euro verteuert ihre Produkte im Vergleich zur Konkurrenz auf den Weltmärkten und erschwert den Absatz außerhalb der Eurozone. Ein schwacher Euro hingegen treibt die eigenen Kosten in die Höhe, wenn die Zulieferungen in einer härteren Währung bezahlt werden müssen. Wechselkursschwankungen können so zu einer echten Existenzgefährdung werden.

Gegen Währungskursrisiken können sich Unternehmen relativ einfach absichern. Wie das funktioniert, kann man am besten an einem konkreten Beispiel zeigen: Ein deutscher Maschinenbauer baut in seine Maschinen ein Steuerungsmodul ein, das er in US-Dollar bezahlen muss. Wertet der US-Dollar nun gegenüber dem Euro auf, erhöhen sich seine Materialkosten. Tatsächlich hat der US-Dollar gegenüber dem Euro in den vergangenen Jahren mehrmals kräftig aufgewertet. Danach folgten jeweils Abwertungsphasen. Der Mittelständler musste also auch mit Absatzproblemen rechnen. Damit solche Probleme gar nicht erst eintreten, stehen dem Unternehmer mehrere Absicherungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Devisenkassa- und Devisentermingeschäft:

Die einfachste Variante besteht darin, heute US-Dollar via Devisenkassageschäft zu kaufen, um sie erst dann auszugeben, wenn man sie benötigt. Damit kann der Unternehmer das Risiko von Kursschwankungen effektiv ausschalten. Ist dem Maschinenbauer bekannt, zu welchem Zeitpunkt und in welcher Höhe er die US-Dollar benötigt, kann er auch ein sogenanntes Devisentermingeschäft abschließen: Dabei vereinbart er mit seiner Bank, dass er zu einem festgelegten Termin in der Zukunft eine bestimmte Summe an US-Dollar zu einem vorher festgelegten Kurs kauft. Auch damit hat er das Währungskursrisiko ausgeschaltet.

Devisenoption:

Benötigt der Mittelständler allerdings aufgrund einer geänderten Geschäftsstrategie doch keine US-Dollar, hat er sich unnötig mit US-Dollar eingedeckt und muss gegebenenfalls mit Kursverlusten rechnen. An dieser Problematik setzt die Devisenoption an. Sie gibt dem kaufenden Unternehmer das Recht, aber nicht die Pflicht, innerhalb einer festgelegten Frist einen Währungsbetrag zu einem festgelegten Kurs zu übernehmen. Im Gegenzug entrichtet der Kunde für diese Sicherheit eine Optionsgebühr an die Bank. Wenn er nun wider Erwarten innerhalb der Optionsfrist keine US-Dollar benötigt oder bei Fälligkeit des Geschäfts ein für ihn besseres Kursverhältnis vorliegt, kann er die Option ohne weitere Verpflichtungen verfallen lassen.

Kombinierte Devisentermingeschäfte:

Individuell auf den Kunden zugeschnittene Alternativen bieten kombinierte Devisentermingeschäfte. Dabei handelt es sich um eine Bündelung mehrerer Devisenoptionen. Sie gewährleisten die kursgarantierende Wirkung eines Devisentermingeschäfts im Worst-case-Fall, bieten darüber hinaus aber auch Partizipationsmöglichkeiten an Kursbewegungen in einem zu definierenden Rahmen. Und das ohne den Liquiditätsabfluss aus Prämienzahlungen. Dabei kann der Kunde zum Beispiel das Risiko eines sinkenden Euro / US-Dollar-Kurses unter eine von ihm definierte Schwelle ausschließen und zudem seine Meinung hinsichtlich der künftigen Euro/Dollar-Kursentwicklung in Form eines Kurskorridors einbringen.

In einem volatilen Umfeld kann er dadurch die Chance einer Bonuszahlung erhalten, sofern seine Kursmeinung innerhalb der definierten Bandbreite und Laufzeit eintritt und kann dadurch seinen Abrechnungskurs verbessern. Des Weiteren entfällt die für die Devisenoption typische Optionsprämie. Im Gegenzug verzichtet er allerdings auf die vollständige Partizipation eines bei Fälligkeit gestiegenen Kurses. Doch auch an einem bei Fälligkeit gesunkenen Kurs kann der Unternehmer in Form einer Bonuszahlung profitieren. Auf diese Weise erhält er eine feste Kalkulationsbasis, die einen volatilen Devisenmarkt berechenbarer macht, und kann zudem an einer Kursbewegung in beide Richtungen teilhaben.

Kombinierte Produkte lassen sich sehr individuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens zuschneiden. Ein Bankberater, der das Geschäftsmodell seines Kunden bis in die Details hinein verstanden hat, ist dabei eine unschätzbare Hilfe.

Autor: Christoph Schmitz, Postbank



Absicherung: Was welches Instrument leistet

Risiko-
begrenzung
Chancen-
partizipation
Flexibilität Prämie
Devisenkassa- und Devisentermingeschäfte ja nein nein nein
Devisenoption ja ja hoch ja
Kombinierte Termingeschäfte ja weitgehend nach
Vereinbarung
nein

Quelle: Deutsche Postbank International S.A.



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